Gar nicht plump – Die Erotic Kartoffel

front of corset by busk (Photo credit: Wikipedia)

Die was??

Ja, die Kombination „Erotic“ und „Kartoffel“ scheint im ersten Moment etwas eigenwillig. Aber genau das war es, was mein Interesse an diesem cleveren Restaurant geweckt hat. Beim vorbeigehen entdeckt, war es dann die Neugier, die mich eine Weile später durch die schöne hölzerne Drehtür in das dekadent eingerichtete Restaurant im Herzen Bremens zog.

Erotic Kartoffel. Der Name ist tatsächlich Programm. Ich kann mich nicht erinnern, jemals auf ein Restaurant getroffen zu sein, das so kreativ, simpel und treffend, und mindestens genauso effektiv seine thematische Einrichtung und die Speisekarte gleichsam auf den Punkt gebracht hat.

„Erotic“ ist also das Thema der Einrichtung. Wer sich da vor vulgären, oder schon fast obszönen Einrichtungsgegenständen fürchtet, der kann beruhigt aufatmen. Vielmehr erwartet den Gast eine durch und durch ästhetische Einrichtung im Stil Moulin Rouge. Betritt man durch die schöne alte Drehtür mit den Glaseinlagen und den goldenen Griffen das Innere der Erotic Kartoffel, wird man erst einmal Begrüßt von einer lebensgroßen weiblichen Skulptur, die in transparente Stoffe gehüllt ist. Ein bisschen verwinkelt ist sie auch, die Erotic Kartoffel. Unterschiedlich hohe Podeste und Raumtrenner trennen die Sitzbereiche etwas voneinander ab und verleihen den einzelnen Bereichen etwas Privatsphäre. Sitzgelegenheiten gibt es viele. Auf dem Weg zum Tisch knarzt unter den Füßen der alte Dielenboden. Über den Köpfen schweben ausschweifende schwarze Lüster, die ein gedämpftes Licht abgeben. Schimmernde Tapeten mit floralen Musterungen schmücken die Wände. Platz nehmen kann man auf gepolsterten Barhockern an der Bar oder auch an kleinen hohen Tischchen für zwei Personen. Wer mit mehr Begleitung aufwartet oder es lieber etwas gemütlicher hat, der macht es sich in den reich gepolsterten Sitzecken bequem, die auch noch mit einer Unmenge Kissen ausgestattet sind. Die Farben der Einrichtung bestehen aus dunklen Rottönen, schimmernden Cremefarben, geerdetem Braun und natürlich Gold.

Die in der Einrichtung gut umgesetzte Thematik setzt sich auch in der Bekleidung der Angestellten fort. Körperbetonte Corsagen gehören zum Outfit der weiblichen Bedienung. Auch hier versteht es die Erotic Kartoffel, die Balance zu halten: Sexy, schön anzusehen, aber nicht unangemessen freizügig.

Die Erotic Kartoffel hat es sich offenbar zum Ziel genommen, die langweilige Kartoffel neu zu präsentieren.  Kaum ein Land hat so viele verschiedene Kartoffelgerichte wie Deutschland, dennoch versteht es die Erotic Kartoffel, spannende Gerichte zu servieren. Zum bietet die Speisekarte eine Vielzahl an Variationen der klassischen Ofenkartoffel an. Die Beilagen reichen von grünem Hähnchencurry bis hin zu Lachs und Spinat oder Ratatouille. Letzteres habe ich selbst auch schon gekostet, und war schlichtweg begeistert. Sehr fruchtig und mit einer schönen Kombination aus weichem Gemüse wie Kürbis, Aubergine und Zucchini und knackigen Walnüssen.  Zum anderen gibt es die „Kartoffeltower“. Jupp, es ist genau, was ihr denkt: Aufgetürmte Kartoffel. Lame? Gar nicht. Die Kartoffeltürme kommen nämlich auch in verschiedenen Variationen. Mein bisheriger Liebling: Der Phillie Cheese Steak Tower mit Rumpsteakstreifen, geschmolzenem Käse und Zwiebeln. NOM! Getürmt wird aber auch mit Antipasti, Hähnchen und Mango Chutney, Shrimps und und und…

Die Speisekarte besteht nicht ausschließlich aus Kartoffelgerichten. Besonders Liebhaber der amerikanischen Küche werden hier auch auf ihre Kosten kommen. Doch die Erotic Kartoffel ist kein Diner; wer nach klassischen Burgern sucht, geht leer aus. Amerikanische Küche ohne Burger? Keine Angst, ich sagte klassisch. Die Erotic Kartoffel legt hier offensichtlich etwas Wert auf Kulturvermittlung und Andersartigkeit. Mit Erfolg, möchte ich meinen. „Wir servieren unsere Burger so wie sie zuerst in den USA im Louis‘ Lunch in New Haven, Connecticut, im Jahr 1895 serviert wurden: Zwischen zwei Weißbrotscheiben!“ So lautet die Beschreibung in der Speisekarte; und warum nicht mal etwas anderes kennen lernen als den „0-8-15-Burger“? Zudem gibt es leckere amerikanische Salate und Sandwiches. Bitte denkt bei Sandwiches jetzt auch nicht an die deutsche Stulle. Amerikanische Sandwiches sind leckere Türme aus verschiedenen Fleischsorten (vom Rib-Eye Steak über Schweinemedaillons bis hin zu Bacon oder Pastrami), Käse, Sauce, und Salat und haben nichts mit unserem Butterbrot gemein. Klar, bei dem Wort Sandwich kann schnell der Gedanke aufkommen, dass man davon doch im Leben nicht satt wird. Erfahrungsgemäß sollte man Sandwiches nicht unterschätzen; zudem kommen sie mit einer beachtlichen Menge an Beilagen. Mein Tipp: unbedingt probieren.

Nicht fehlen darf bei so einem leckeren Mahl natürlich auch nicht der süße Schluss. Oder die Leckerei zum Käffchen. Die Dessertkarte ist kurz, aber ganz nach meinem Geschmack. Für 3€ gibts Cupcakes. Ein bis zwei Sorten stehen, täglich wechselnd, zur Auswahl. Seit meinem letzten Besuch haben sich auch Cake Pops dazugesellt. Probiert habe ich sie bislang nicht. Ein guter Grund, würde ich sagen, der Erotic Kartoffel bald mal wieder einen Besuch abzustatten!

Preislich ist die Erotic Kartoffel voll in Ordnung. Durchschnittlich 9-12€ zahlt man für sein Essen, das definitiv eine gute Abwechslung zum „Altbekannten“ bietet. Die Mittagskarte ist übrigens etwas günstiger.

Man kann natürlich auch nur auf ein Käffchen vorbeischauen, oder abends einkehren und (am Wochenende) bei einem Gläschen Wein oder einem schönen Cocktail dem Pianisten lauschen. Die Erotic Kartoffel liegt in der Pelzerstraße, der kleinen versteckten Gasse zwischen Kartsadt und Galeria Kaufhof. Für eine Shopping-Pause, den Mittags-Lunch oder zum Ausgehen am Wochenende wärmstens zu empfehlen!

 

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